Förderverein für regionale Entwicklung
 
 

75 Jahre Kriegsende

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8. Mai 1945 – Ende und Anfang

Am 8. Mai vor 75 Jahren endete für uns der II. Weltkrieg – es ist kein Tag zum Feiern, aber ein Tag zum Ge-Denken, Nach-Denken und Weiter-Denken.

Wie fühlten sich am 8. Mai diejenigen, die den Krieg erlebt und erlitten hatten – und das waren Millionen auf der ganzen Welt? Wir kennen Fotos und Berichte über Menschen, die glücklich strahlen, sich um den Hals fallen, zu Dankgottesdiensten strömen. Wir kennen aber auch die Erzählungen derjenigen, deren Wohnungen in Schutt und Asche lagen, die ihre Männer/Väter/Brüder/Söhne betrauerten, die auf der Flucht ihre Heimat, ihr Hab und Gut zurücklassen mussten und die Bitterkeit des Fremdseins kennen lernten. Wir haben alle die Bilder und Filme von der Befreiung der Konzentrationslager vor Augen – Menschen, ihrer Würde völlig beraubt, neben sich Leichenberge. Die Geschichten von vergewaltigten Frauen, grausam ausgebeuteten ZwangsarbeiterInnen und Kriegsgefangenen aus und in allen Ländern kamen nach und nach dazu.

Befreit“ durfte man sich fühlen, vom Größenwahn des Nationalsozialismus, von einem totalitären System, das die Zerstörung der Individualität perfekt organisiert hatte, von einem gottlosen Rassismus. Aber wurden die Köpfe wirklich „frei“? Wozu nutzte man die Freiheit? Natürlich freute man sich über die allmählich wachsende Freiheit, sich eine neue Existenz zu erarbeiten! Natürlich konnten sich jetzt demokratische Ideen, Menschenrechte, Religion, Humanismus wieder an ihre Wurzeln erinnern und frei entfalten. Es gab eine große Sehnsucht nach „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ für alle! Aber die Ideen des 1000jährigen Reiches hatten in 12 Jahren etwas aufgebaut, was bis heute lebt. Viele Nazigrößen begannen bürgerliche Karrieren ohne Gesinnungsänderung und heute verkünden Nachgeborene offen Antisemitismus, Rassismus und Demokratieverachtung! Eine „Stunde Null“ hat es nie gegeben!

Wie gehen wir heute mit diesem Erbe um?

Die christlichen Kirchen tragen große Verantwortung für das Denken der Menschen – ihre Stimme wurde während des Krieges und in den 75 Jahren danach immer gehört. Sie zögerten lange, Mitschuld, Irregeleitetsein und Feigheit einzugestehen (das schmälert nicht die Verdienste großartiger, tapferer Christen, die die Lehre Jesu ernst nahmen und oft mit ihrem Leben bezahlten). Sie sollten auch jetzt laut und unüberhörbar davon sprechen, was ihre Botschaft ist, nämlich ein uneingeschränktes Bekenntnis zu Menschenwürde, Nächstenliebe und Frieden für alle.

Und sie sollten sich in alle(!) Themen einmischen – ob es nun um die Schöpfung, die Sexualität, Flüchtlinge, muslimische und jüdische MitbürgerInnen, die Stellung der Frauen, Waffengewalt… geht. Diese Liste darf weitergeführt werden!

Inge Jooß