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Weihnachtsgruß an Senior*innen durch Erzbischof Kardinal Marx

Liebe Seniorinnen und Senioren!
„Im Anfang war das Wort“ hören wir im Evangelium am Weihnachtstag. Die
Worte „im Anfang“ kennen wir auch aus dem Buch Genesis. Die Schriften
des Alten Testaments beginnen mit denselben Worten wie das
Johannesevangelium im Neuen Testament. Die Menschen des Alten
Testaments erklären uns damit ihre Sicht auf die Entstehung und
Beschaffenheit der Welt und die Rolle der Menschen darin. Die Welt, die von
Gott begleitet entstanden ist, mit Menschen darin, die als Frau und Mann
Gottes Abbild sind. Die Geschöpfe vermehren sich, und die Menschen vom
Stamm Israel werden zum Volk Gottes, das er aus der Knechtschaft in
Ägypten befreit und das er in seiner wechselhaften Geschichte begleitet.
Das zweite „im Anfang“ finden wir zu Beginn einer weiterführenden
Geschichte Gottes mit den Menschen. Das Johannesevangelium kennt keine
Geburts- oder Kindheitsgeschichte, sondern beginnt mit dem Prolog, den
Vorworten zu seiner Erzählung über Jesus Christus, der im Evangelium als
bereits Erwachsener auftritt. Hier lernen wir Gottes Wirken neu kennen. War
er vorher der Erschaffende und die Geschichte Begleitende wird Gott jetzt in
Jesus Christus zum Mitmenschen, in dem wir erfahren können, wie Gott an
uns handelt und wie auch wir an anderen handeln sollen. Eine neue Sicht auf
Gott und die Welt ist da!
Die Heilige Schrift gibt uns durch das Alte und das Neue Testament eine
Folie an die Hand, auf der wir die Welt und unser Leben darin deuten und
unser Handeln ausrichten können. Die Bibel deutet die Welt und die
Menschen darin als von Gott gewollt und begleitet. Wie deuten Sie die Welt?
Wie sehen Sie die Welt, wenn Sie sich umschauen? Bei den vielen Krisen
und Unsicherheiten können Menschen schon ins Zweifeln kommen, ob die
Welt tatsächlich von Gott begleitet wird – oder ob er sich nicht doch von ihr
abgewendet hat. In der Zeit des Alten Testaments gab es auch Krisen und
Unsicherheiten, doch glaubende Menschen haben an Gott und seinem
Mitgehen festgehalten. Diese Menschen von damals können uns in gewisser
Weise zum Vorbild werden, wenn wir sagen: „Die Welt und die Menschen
lassen uns manchmal zweifeln, aber ich glaube an einen Gott, der da ist und
mich auf meinem Weg begleitet.“
Durch das Neue Testament können wir lernen, wie Gott an uns handelt und
wie wir unser Handeln ausrichten sollen. Es geht also auch um die
Gestaltung unseres Lebens in der Welt. Wir sollen so handeln, wie es uns
Jesus gezeigt hat. Wir können uns die Frage stellen: Wie handle ich in dieser
Welt? Nehme ich mir darin Jesu Handeln zum Vorbild?
Das „im Anfang“ der Weihnachtserzählung kann uns daran erinnern, sich
immer wieder neu auszurichten, immer wieder einen neuen Anfang zu
setzen. Die Heilige Schrift möchte uns dazu ermutigen, die Welt und das
eigene Leben als von Gott begleitet zu deuten und das eigene Handeln an
Jesus Christus auszurichten.
So wünsche ich Ihnen ein gesegnetes Weihnachtsfest, an dem uns der
menschgewordene Gott zum Handeln bewegt!

 

 Erzbischof Kardinal Marx

Weitere Informationen

Veröffentlichung

Mo, 24. November 2025

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